Die Ölpreise starten mit Verlusten von etwa 1 % in den letzten Handelstag der Woche. Bereits gestern war es an den Ölmärkten zu einer selten gesehenen Verkaufswelle gekommen, die die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit drei Wochen abstürzen ließ.
Höchster Tagesverlust seit 2022
Dabei verzeichneten die Ölpreise den stärksten prozentualen Tagesverlust seit 2022. Die weltweit wichtigste Nordseesorte Brent-Futures verbuchte einen Rückgang von 4,81 Dollar oder 6,4 % auf 70,14 Dollar, während die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) den Handel bei 66,95 Dollar pro Barrel (159 Liter) beendete, was einem Abschlag von 4,76 Dollar oder 6,6 % entspricht.
Die Ölpreise waren gestern gleich von zwei Seiten mächtig unter Druck geraten. Zum einen waren die am Tag zuvor von US-Präsident Donald Trump eingeführten „gegenseitigen Zölle“ deutlich höher und breiter gestreut als zuvor angenommen ausgefallen. Diese schürte massiv Ängste an den Finanz- und Rohstoffmärkten, dass dies die Weltwirtschaft und damit auch die Ölnachfrage bremsen wird.
DIW: Zollpläne für Deutschland eine Katastrophe
Weltweit versuchten gestern Ökonomen daher die Auswirkungen der Zollpläne einzuordnen. Nach Einschätzung der Volkswirte des Instituts der Deutschen Wirtschaft könnte Deutschland ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 200 Milliarden Euro und der EU einer von 750 Milliarden entstehen, sollten die neuen US-Zölle die vierjährige Amtszeit von Trump überdauern.
OPEC überrascht Märkte mit höheren Fördermengen
Zum anderen verstärkte gestern am Nachmittag die Meldung den Druck auf die Ölpreise, dass sich die OPEC und ihre Verbündeten für den Mai auf eine unerwartete größere Erhöhung der Ölproduktion geeinigt haben.
Nach einer gestern stattgefundenen Online-Sitzung hatten die acht teilnehmenden OPEC+-Länder angekündigt, die Produktion im nächsten Monat um 411.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Das entspricht drei monatlichen Steigerungen. Sie begründeten dies mit „gesunden Marktgrundlagen“ und einem „positiven Marktausblick“.
OPEC: Agieren nach Marktlage, Erhöhungen können zurückgenommen werden
Die Erhöhung der OPEC+ im Mai ist Teil eines umfassenderen Plans, die Produktionsbeschränkungen ab diesem Monat schrittweise um insgesamt 2,2 Millionen Barrel pro Tag aufzuheben.
Die acht Produzenten – Saudi-Arabien, Russland, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman – hatten im April und November 2023 freiwillige Kürzungen vorgenommen. Das Kartell hatte die Produktionskürzungen im vergangenen Jahr aufgrund der schwachen globalen Nachfrage mehrmals verlängert.
Die Mitglieder der OPEC+ bekräftigten, dass die schrittweisen Erhöhungen je nach Entwicklung der Marktbedingungen ausgesetzt oder rückgängig gemacht werden könnten. Die acht Länder kündigten an, am 5. Mai zusammenzukommen, um die Produktionsmengen für Juni zu besprechen. Die Kürzung der Ölproduktion um 3,65 Millionen Barrel pro Tag soll Ende 2026 auslaufen.
Heizölpreise deutlich günstiger
Die geschilderten wirtschaftspolitischen Ereignisse machen sich heute im frühen Handel auch bei den Inlandspreisen bemerkbar, die gegenüber gestern noch einmal niedriger liegen. Im Vergleich zu Donnerstagmorgen können Verbraucherinnen und Verbraucher von kräftigen Preisabschlägen in Höhe von -2,15 bis -2,55 Euro/100 Liter profitieren.