
Der Fokus der Ölmärkte liegt fast vollständig auf den Entwicklungen rund um das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Während hierzu noch eine gewisse Unsicherheit im Hinterkopf der Anleger verbleibt, setzen sich die Preisrückgänge an den Ölbörsen und damit am Markt weiterhin fort, in reger Erwartung auf eine volle Öffnung der Seeroute „Straße von Hormus“ ab Freitag.
Die große Frage der Minenräumung in der Straße vor Hormus
Schon früh im diesjährigen Konflikt rund um den Iran kündigten Militärkräfte und leitende Politiker des Landes an, man habe Seeminen in der Meerenge verteilt. US-Quellen meldeten zudem mehrfach entsprechende Sichtungen von aktiven Minenleger-Schiffen, weshalb effektiv davon ausgegangen werden muss, dass aktive Sprengkörper in der Straße von Hormus verlegt sind. Damit bleiben zwei Fragen – Wie viele, und wie schnell können sie geräumt werden?
Als entsprechende Anfragen an das US-Militärkommando Centcom gerichtet wurden, erklärten diese lediglich dass genauere Angaben hierzu nicht öffentlich besprochen werden dürften. Diese Unsicherheit sorgt insbesondere bei Fracht- und Versicherungsunternehmen für Unsicherheit. Ein weitgehend voll beladener „Supertanker“, welche oftmals Frachten über 100 Millionen Liter Öl oder Ölprodukte mit sich transportieren können, haben oftmals einen Wert um 300 Millionen Dollar, ganz zu schweigen vom Personal was sich auf den Schiffen aufhält.
Je nach Menge der gelegten Seeminen könnte eine Räumung mehrere Wochen dauern, einige Unternehmen erwarten sogar Verzögerungen von bis zu 50 Tagen. US-Präsident Trump hingegen erwartet eine volle Räumung der Seeroute bis Freitag, gefolgt von einer Öffnung der Schiffswege. Darauf hoffen die Märkte, Verbraucher und Unternehmen dementsprechend. Je früher die Versorgung sich erholt, desto besser für die Firmen und die Märkte, dennoch bleibt eine gewisse Nervosität im Hintergrund zu erkennen.
Iran bereitet eigene Exporte durch die Meerenge vor
Sehr viel entspannter reagiert die Schifffahrt des Iran, wo schon jetzt die ersten, offiziell sanktionierten Schiffe oder anderweitig iranisch-verbundenen Frachter die Meerenge der Straße von Hormus durchqueren, obwohl noch keine Freigabe für den Schiffsverkehr seitens der USA gegeben wurde. Noch letzte Woche ließ das US-Militär Schiffe mit iranischer Verbindung abschießen, um entsprechende Warentransporte aus dem Iran zu verhindern. Die Sorge vor solchen Aktionen scheint derzeit schon fast wie verflogen zu sein.
Unterzeichnung des US-Iran-Friedensabkommen Freitag in Bürgenstock
In der Praxis ist ein jetziger Abschuss entsprechender Schiffe auch höchst unwahrscheinlich, immerhin könnten zu scharfe Drohgebärden oder direkter Waffeneinsatz dafür sorgen, dass der Iran seine Freigabe des Friedensabkommens wieder zurückziehen könnte. Dieser geplante Vertrag, als eine Art vorläufiger Plan auf Friedensfindung und entsprechendes Bekenntnis zwischen den Regierungsvertretern des Iran und der USA, soll am Freitag im schweizerischen Bürgenstock unterzeichnet werden.
Heizölpreise sinken weiter
Die Märkte stellen sich weitgehend darauf ein, dass die Ölversorgung durch die Straße von Hormus in den kommenden Wochen zügig wiederhergestellt wird. Dadurch sanken die Preise für Ölprodukte am Dienstag weiter, weshalb die Abnehmer von Heizöl auch heute mit leichten Preisabschlägen rechnen können. Diese liegen im Bundesgebiet aktuell bei durchschnittlich -0,65 bis -1,25 Euro pro 100 Liter gegenüber Dienstagvormittag.