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US-Ölbestände überraschend deutlich gestiegen – Geringe Aufschläge beim Heizöl

November 3, 2023

An den Ölbörsen überwog am gestrigen Montag im Hinblick auf die Versorgungslage wieder der Optimismus, nachdem die G7-Staaten und ihre Partner die Freigabe von 100 Mio. Barrel Rohöl und Diesel aus ihren Notreserven angekündigt hatten und Analysten von einer Erholung der Öllieferungen aus der Golfregion sprachen. Auch heute Morgen geben die Ölpreise an den Rohstoffbörsen nach. Der Vorstandsvorsitzende des staatlich geführten Ölriesen Saudi Aramco, Amin Nasser, gibt allerdings zu bedenken, dass die weltweiten Ölbestände „beängstigend gering“ sind.

Nasser: Wiederaufstocken der Ölbestände könnte bis zu 2 Jahre dauern
Bevor die USA und Israel Ende Februar mit ihren Angriffen auf Ziele im Iran begannen, beliefen sich die weltweiten Ölvorräte laut Nasser noch auf etwas mehr als 10 Milliarden Barrel. Mittlerweile seien sie jedoch unter 6 Milliarden Barrel gefallen, wovon aufgrund von diversen technischen Einschränkungen nur etwa 10 % tatsächlich verfügbar seien.

Ein Wiederaufbau der weltweiten Ölvorräte auf das Vorkriegsniveau könnte dem Saudi Aramco Vorstandsvorsitzenden zufolge bis zu zwei Jahre dauern, da dies zusätzlich zum Rohölbedarf noch einmal eine Nachfrage von etwa 2 Mio. B/T entstehen lassen würde. Dass die Bestände wieder aufgefüllt werden sollten, davon scheint Nasser allerdings überzeugt, denn im Rahmen einer Energiekonferenz in London warnte er gestern, dass das System (sprich: der Ölmarkt) bereits am Anschlag und der Bestandspuffer für den Fall weiterer Angebotsschocks „beängstigend dünn“ sei.

Aramco-Vorstandsvorsitzender
„Solange Hormuz nicht vollständig wieder geöffnet ist und das Vertrauen nicht zurückkehrt, wird sich der Druck auf beiden Seiten des Ölmarktes weiter verschärfen“, sagte Nasser am gestrigen Montag seinen Zuhörern und verwies dabei auch auf die Kraftstoffpreise, die zuletzt noch stärker gestiegen seien als die Rohölpreise.

Freigabe von Reserven Übergangslösung
Die Freigabe von Öl aus kommerziellen und strategischen Reserven hält Nasser für eine Übergangslösung. Diese werde allerdings das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nicht ausgleichen. Der Analyst Joe DeLaura von der Rabobank scheint ähnlicher Ansicht. „Es ist eine kurzfristige Lösung, die das Problem um ein bis zwei Monate aufschiebt“, so DeLaura, der sich dabei auf das Problem von Angebotsengpässen bei der Kraftstoffversorgung bezieht.

Aussicht auf steigendes Angebot lässt  Heizölpreis sinken
An den Ölbörsen führte die Aussicht auf ein steigendes Angebot an Diesel und die Erholung der Öllieferungen aus der Golfregion zum Wochenbeginn trotz der weiterhin vorhandenen Risiken zu einem Preisrückgang. Dieser spiegelt sich auch in den Inlandspreisen wider. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland dürfen daher bei Heizöl im bundesweiten Durchschnitt aktuell mit Abschlägen von -2,75 bis -3,75 Euro pro 100 Liter gegenüber Montagvormittag rechnen. Dennoch sind die Preisentwicklungen aufgrund der anhaltenden, geopolitischen Anspannungen weiterhin unsicher, weshalb die Zahlen sich jederzeit ändern können.