Sorge um Chinas Wirtschaft – USA weiten Sanktionen gegen Iran aus – Heizöl etwas günstiger

November 3, 2023

Am gestrigen Mittwoch legten die Ölpreise an den Rohstoffbörsen in den USA und Europa erneut zu. Die Unsicherheit im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten, weitere Drohnenangriffe der Ukraine auf Russlands Öl- und Energieinfrastruktur sowie die starken Abbauten, die das API in seinen Bestandsschätzungen am Dienstag bei den landesweiten US-Rohölvorräten für die vergangene Woche meldete, sorgten für die erneute Aufwärtsdynamik. Diese übertrug sich auch wieder auf die Inlandspreise. Wenngleich die jüngste Einigung zwischen Israel und dem Libanon über die Umsetzung einer Waffenruhe heute an den Börsen zu einem schwächeren Start der Ölfutures führte, werden die Inlandspreise heute Morgen immer noch etwas teurer erwartet.

 

US-Rohölvorräte sechs Wochen in Folge gesunken
Nachdem bereits die Dienstagnacht veröffentlichten Bestandsschätzungen des API für die Woche zum 29. Mai einen massiven Rückgang der landesweiten Rohölvorräte der USA gezeigt hatten, meldete das US-Energieministerium (DOE) in seinem offiziellen wöchentlichen Ölmarktbericht am Mittwochnachmittag sogar noch stärkere Bestandsabbauten von -8,0 Mio. Barrel. Damit sanken die Rohölvorräte in den Vereinigten Staaten bereits die sechste Woche in Folge.

 

Die beträchtlichen Abbauten waren einerseits der hohen Raffinerieauslastung geschuldet, aber auch dem starken Anstieg der Rohölexporte. Laut DOE führten die USA in der vergangenen Woche rund 1,4 Mio. B/T mehr Rohöl aus als in der Vorwoche, was die Exporte auf insgesamt 5,9 Mio. B/T steigen ließ. Dies wiederum ist der zweithöchste Stand, den die Wochenstatistik des DOE seit Beginn des Jahres gezeigt hat und macht deutlich, dass das Schwarze Gold aus den Staaten am internationalen Markt angesichts der aufgrund des Iran-Kriegs und der dadurch beeinträchtigten Öllieferungen aus dem Nahen Osten über die Straße von Hormus sehr gefragt ist.

 

Israel und Libanon einigen sich auf Umsetzung von Waffenruhe
An der Ölversorgung über die wichtige Meerenge wird wohl erst einmal auch die Tatsache nichts ändern, dass sich Israel und Libanon am gestrigen Mittwoch bei Gesprächen in Washington auf eine Umsetzung der Waffenruhe geeinigt haben. Zwar erhöht dies die Chancen, dass auch die Verhandlungen zwischen den USA und Iran wieder an Dynamik gewinnen, die Frage ist allerdings, ob die Umsetzung der Waffenruhe zwischen Israel und Libanon diesmal gelingt. Die Voraussetzung dafür ist nämlich, dass die Hisbollah-Miliz ihre Angriffe auf Israel vollständig einstellt und sich aus der Region südlich des Flusses Litani zurückzieht.

 

Davon abgesehen würde eine Normalisierung der Öllieferungen über die Straße von Hormus selbst bei einer sofortigen Einigung der USA und Irans auf ein Abkommen Experten zufolge etwa drei Monate dauern. Und während US-Präsident Trump am gestrigen Mittwoch gegenüber Journalisten angab, dass die Meerenge „unverzüglich“ geöffnet werden könne, sobald der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung der bewaffneten Feindseligkeiten unterzeichne, teilte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mit, Washington und Teheran hätten bei den Verhandlungen bislang „keinen greifbaren Fortschritt“ gemacht.

 

Heizöl etwas teurer erwartet
So dürfte das Abwärtspotenzial der Preise an den Ölbörsen zunächst begrenzt bleiben. Der Preis des europäischen Mitteldestillatkontrakts ICE Gasoil wird zudem von dem extrem niedrigen Niveau der US-Destillatbestände gestützt, gegen das auch die leichte Anstieg der Vorräte, die das DOE in dieser Kategorie für die vergangene Woche registriert hat, kaum etwas ausrichten konnte. So werden auch bei den Inlandspreisen heute Morgen noch Aufschläge erwartet, die bei Heizöl zwischen +0,25 bis +0,85 Euro pro 100 Liter gegenüber Mittwochvormittag liegen dürften.