Ölpreise ziehen weiter an – Auch Heizöl wieder teurer

November 3, 2023

Dass „konstruktiv“ in der diplomatischen Rhetorik ein sehr dehnbarer Begriff ist, das spiegelte sich am gestrigen Mittwoch auch in der Entwicklung der Rohölpreise an den Ölbörsen wider. Obwohl die USA und der Iran am Dienstag im schweizerischen Genf nämlich den Angaben einzelner Beteiligter zufolge „konstruktive“ Gespräche geführt hatten, legten die Rohölpreise an ICE und NYMEX im gestrigen Tagesverlauf so stark zu wie seit Monaten nicht. Dies lag nicht zuletzt an Meldungen, denen zufolge ein US-Militärschlag gegen iranische Ziele doch wahrscheinlicher ist, als zuletzt angenommen.

Säbelrasseln geht trotz geplanter Fortsetzung der Gespräche weiter
Obwohl es nach den erneut indirekten Verhandlungen zwischen den Delegationen aus dem Iran und den USA in Genf hieß, in zwei Wochen solle es weitere Gespräche geben, hörte das Säbelrasseln Washingtons und Teherans nicht auf.

Schon am Dienstag sperrte der Iran die für den internationalen Ölhandel so wichtige Meerenge von Hormus für einige Stunden, mit der Begründung, man würde Militärübungen in dem Gebiet durchführen. Das US-Außenministerium verkündete am gestrigen Mittwoch seinerseits Visabeschränkungen für insgesamt 18 iranische Beamte und Führungskräfte der Telekommunikationsbranche und deren Familienangehörige. Dies wurde mit dem Vorgehen der Personen gegen die iranische Bevölkerung und der Kommunikationssperre während der jüngsten Proteste in der Islamischen Republik begründet.

Medienbericht über möglichen baldigen US-Schlag gegen Iran treibt Preise
Für stärkere Aufwärtsdynamik an den Ölbörsen sorgte dann gestern noch eine Meldung des Nachrichtenportals Axios, der zufolge die Trump-Regierung kurz vor einem „großen Krieg“ im Nahen Osten stehe, der „sehr bald“ beginnen könnte. Unabhängig davon hatte US-Vizepräsident JD Vance gegenüber dem Sender FOXNews gesagt, es gebe weiterhin „rote Linien“, die Präsident Trump gezogen habe, bei den jüngsten Gesprächen nicht „die die Iraner bisher nicht wirklich anerkennen“ und an deren Einhaltung sie auch nicht arbeiten wollen würden. Vor allem dürfte es sich dabei darum handeln, dass Teheran nicht vollständig auf sein Atomprogramm verzichten, sondern dies für zivile Zwecke – wie es zumindest dem Iran zufolge auch immer vorgesehen war – weiterführen will.

Straße von Hormus bleibt im Fokus
Die Möglichkeit eines baldigen US-Militärschlags gegen den Iran lässt auch die Sorgen der Marktteilnehmer bezüglich einer Sperrung der Straße von Hormus nicht vergehen. Immerhin könnte eine solche Sperrung der Meerenge den Transit von täglich rund 21 Mio. Barrel Öl zum Erliegen bringen. Hinzu kommt außerdem die Befürchtung, dass bei einem US-Angriff auf den Iran möglicherweise auch iranische Ölanlagen getroffen werden und somit das Ölangebot des Landes, das trotz westlicher Sanktionen auf dem Weltmarkt immer noch Abnehmer findet, deutlich sinkt.

Heizölpreis potentiell leicht erhöht erwartet
Der höhere Risikoaufschlag, den die Marktteilnehmer gestern wegen der Iran-Meldungen an den Ölbörsen eingepreist haben (und auch heute noch einpreisen), ließ auch die Inlandspreise steigen.  Für Abnehmerinnen und Abnehmer von Heizöl in Deutschland bedeutet dies, dass die Heizölpreise aktuell deutlich teurer sind als am Mittwochvormittag und mittlerweile mit durchschnittlichen Preisaufschlägen in Höhe von +3,30 bis +3,70 Euro pro 100 Liter zu rechnen ist.