Öffnet in einem neuen Tab

Ölpreise machen Verluste wieder wett – Reedereien warnen vor Dauerkrise – Heizöl moderat teurer

November 3, 2023

Die Lage am Ölmarkt bleibt von geopolitischen Unsicherheiten und einer knappen Angebotslage geprägt. Allerdings sorgen die hohen Ölpreise der letzten Monate inzwischen auch für einen spürbaren Nachfragerückgang. Dies zeigt der aktuelle Monatsbericht der Internationalen Energieagentur IEA, der gestern erschien. Die Ölpreise geben damit nun erst einmal wieder leicht nach.

Ölverbrauch bricht aufgrund hoher Preise ein
Im Vergleich zum Vorjahr rechnet das Pariser Institut aktuell mit einem Rückgang des weltweiten Ölverbrauchs um -2,6 Millionen Barrel pro Tag. Damit hat die IEA ihre Vormonatsprognose sogar noch einmal um 100.000 Barrel verschärft, denn schon im September-Bericht hatte sie einen signifikanten Rückgang des globalen Ölbedarfs von -2,5 Mio. Barrel pro Tag vorhergesagt.

 

Ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr erwartet die IEA erst wieder ab März. Und damit steht sie nicht alleine da. Auch die OPEC, die ebenfalls alle vier Wochen in ihrem Monatsbericht eine umfassende Einschätzung zum Ölmarkt liefert, hat am Dienstag ihre Prognose zum Nachfragewachstum gesenkt, und zwar sogar um 200.000 Barrel pro Tag.

 

Versorgungslage bleibt höchst angespannt
Der bröckelnden Nachfrage steht allerdings auch weiterhin eine stark angespannte Versorgungslage gegenüber, die aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten und dem anhaltenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine auch weiterhin anhalten dürfte. Vor allem bei Diesel bleibt die Lage prekär, das fürchtet auch die IEA.

 

Diesel-Knappheit bleibt bis 2027
Die Lage an den Dieselmärkten sei extrem angespannt, so die Agentur. Grund dafür sei, dass die Lagerbestände vor dem Winter ungewöhnlich stark abgebaut worden seien. Zugleich bleibe die Produktion eingeschränkt.  So gingen die Ausfuhren aus dem Nahen Osten und Russland im September um insgesamt 1,3 Mio. B/T zurück.

 

Die IEA warnte zudem vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Die Rekordpreise für Diesel trieben bereits die Kosten für Waren in die Höhe, belasteten die Realeinkommen und die Konjunktur. Zwar erwarte die IEA eine Erholung der weltweiten Raffinerieproduktion gegen Ende des Jahres, dies werde jedoch nicht ausreichen, um das in diesem Jahr entstandene Defizit auszugleichen.

 

Inlandspreise mit leichten Abschlägen
Die Lage am Produktmarkt bleibt langfristig gesehen also eher angespannt. Allerdings ergeben sich bei den Inlandspreisen für Heizöl heute doch einige Abschläge. Dies ist zum einen der Abwärtskorrektur des zugrunde liegenden Mitteldestillatkontrakts ICE Gasoil zu verdanken, zum anderen aber auch der Erholung beim Euro, der in den Morgenstunden einen heftigen Satz in die Höhe gemacht hat und auf dem höchsten Niveau seit letzter Woche handelt. Für 100 Liter Heizöl ist deshalb heute mit Abschlägen von -0,50 bis -1,00 Euro im Vergleich zu gestern Vormittag zu rechnen.