Ölpreise legen vierte Woche in Folge zu – Bremsspuren bei E-Auto-Wende – Heizöl uneinheitlich

November 3, 2023

Im Vorfeld der nächsten Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran verharren die internationalen Ölbörsen weiter in enger Spanne.  Es scheint, als würden die Anlegerinnen und Anleger den Atem anhalten, solange nicht klar ist, in welche Richtung sich die Lage entwickeln wird. Unterdessen machen sich die großen Ölproduzenten am Persischen Golf für einen möglichen Kriegsausbruch bereit.

 

Aufrüstung so stark wie seit Golfkrieg 2003 nicht mehr
Seit Wochen schon rüstet Washington massiv auf und hat mehrere Kriegsschiffe in die Golfregion gesendet. Die Militärpräsenz der USA ist inzwischen so hoch wie seit dem Golfkrieg von 2003 nicht mehr. Dies lässt die Annahme zu, dass sich die US-Regierung im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen auf eine militärische Intervention einstellt. Der Rhetorik Donald Trumps zufolge bevorzuge er zwar eine diplomatische Lösung, drohte aber gleichzeitig mit massiven Angriffswellen.

 

Atomprogramm bleibt Problempunkt
Bei den Verhandlungen geht es vor allem um die Zukunft des iranischen Atomprogramms. Der Iran beharrt darauf, weiter Uran anreichern zu dürfen – zu zivilen Zwecken, wie Teheran beteuert. Washington verlangt hingegen einen kompletten Rückzug aus den atomaren Aktivitäten, um den Bau einer Atombombe zu verhindern. Beide Parteien scheinen in diesem Punkt nicht für Kompromisse bereit, so dass eine Einigung bei den heutigen Gesprächen in Genf eher unwahrscheinlich ist.

 

Ölproduzenten wappnen sich für Kriegsausbruch
Entsprechend wappnet man sich auch am Ölmarkt auf einen bevorstehenden Kriegsausbruch und die großen Ölproduzenten in der Region versuchen, ihr Öl aus der Schusslinie zu nehmen. Der Iran selbst hat seine Exporte noch einmal enorm erhöht, ein Vorgehen, dass an letzten Juni erinnert. Damals hatte Teheran – kurz vor dem konzertierten Angriff Israels und der USA – ebenfalls versucht, noch so viel Öl wie möglich aufs offene Meer zu bringen, um es vor Angriffen zu schützen.

 

Aktuellen Marine- und Tankerdaten zufolge haben auch Länder wie Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Exportmengen erhöht, ebenso wie OPEC-Schwergewicht Saudi-Arabien. Diese sollen im laufenden Monat auf den höchsten Stand seit April 2023 (7,3 Mio. Barrel pro Tag) gestiegen sein. Gleichzeitig soll das Königreich auch seine Fördermengen erhöht haben, ein Vorgehen, das ebenfalls an letzten Juni erinnert.

 

Saudis bringen Öl in Sicherheit 
Damals hatte Riad entgegen der eigentlich sehr straffen OPEC+ Quotenregelung seine Produktion deutlich angezogen und einen Teil der Mengen in Lagern verstaut, von denen aus das Rohöl nicht über die Straße von Hormus exportiert werden muss. Diese wichtige Meerenge, die vom Iran kontrolliert wird, könnte im Kriegsfall zum zentralen Knackpunkt für den Ölmarkt werden.

 

Straße von Hormus wird zum Zünglein an der Waage
Die Wasserstraße verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und bildet ein wichtiges Nadelöhr für die meisten Öllieferungen der umliegenden Produzentenländer. Täglich werden etwa 21 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte durch die Straße von Hormus transportiert, um dann weiter Richtung Mittelmeer, Asien und Amerika verteilt zu werden. Sollte es hier kriegsbedingt zu Unterbrechungen kommen, würde das am Ölmarkt eine unmittelbare Knappheit verursachen, die sofort die Preise in die Höhe treiben würde.

 

Entsprechend gespannt blickt man am Ölmarkt heute auf die Genfer Gespräche. Auch, wenn eine Einigung heute sicher nicht erzielt werden kann, dürfte das Treffen doch entscheidend sein. Wenn danach weitere Gespräche stattfinden sollen und die diplomatischen Kanäle offen bleiben, ist ein Militärschlag möglicherweise doch noch abzuwenden.

 

Inlandspreise bisher noch stabil
Die Heizölpreise im Inland bleiben heute erst einmal stabil. Da sich die internationalen Rohölbörsen in den letzten Tagen nur wenig von der Stelle bewegt haben, schwanken auch die Inlandspreise in enger Spanne. So kosten 100 Liter Heizöl heute zwischen  -0,15 bis +0,25 Euro weniger bzw. mehr als gestern Vormittag.