Ölmärkte unter Druck – Russland will Ölproduktion drosseln – Heizöl abermals billiger

November 3, 2023

Nach 50 Jahren Mitgliedschaft werden die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schon zum Mai die OPEC verlassen. Diese Meldung ging gestern wie ein Paukenschlag durch den Ölmarkt, wenn die Auswirkungen auf die Preise inmitten der Krise am Persischen Golf auch zunächst gering blieben. Doch langfristig betrachtet könnte der Schritt durchaus für nachhaltige Veränderungen sorgen.

 

Geopolitische Gründe und strategische Neuausrichtung
Die Frage nach dem Warum beantworten die VAE auch mit der geopolitischen Lage. Laut Energieminister Suhail Mohamed al-Masrui sei die Entscheidung nach sorgfältiger Prüfung der Energiestrategien getroffen worden. Soll heißen: das Land muss sich nun nicht mehr an OPEC- Förderquoten halten und kann die Produktionsmengen unabhängig von der Gruppe nach oben schrauben.

 

Aber: in der aktuellen Situation können die VAE so viel Öl fördern wie sie wollen, so lange die Straße von Hormus blockiert bleibt, bleiben auch die emiratischen Exportmengen blockiert. Zwar haben die VAE mit dem Terminal in Fujairah eine Verlademöglichkeit außerhalb der Meerenge, doch die Kapazitäten sich schon längst ausgelastet.

 

Kurzfristig kaum Einfluss auf den Ölmarkt
Kurzfristig spielt der Austritt daher keine Rolle für den globalen Ölmarkt. Doch mittel- und langfristig dürfte das anders aussehen. Die VAE  hatten schon während Corona viel in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten investiert und diese auf mehr als 4 Millionen Barrel pro Tag gesteigert. Bis Ende 2027 sollen sie auf 5 Millionen Barrel pro Tag steigen.

 

Im Korsett der OPEC+ Förderkürzungen, die das Kartell nach wie vor durchführt, lagen die Produktionsmengen vor Kriegsausbruch bei 3,3 Millionen Barrel pro Tag, womit klar ist, dass erhebliches Steigerungspotenzial vorhanden ist. Der Austritt aus der Produktionsgemeinschaft ist damit eine strategisch-wirtschaftliche Entscheidung und wird somit in den kommenden Jahren das Ölangebot am Weltmarkt spürbar erhöhen, sofern die Lieferschwierigkeiten im Nahen Osten gelöst werden.

 

Mehr OPEC+ Angebot in Sicht – aber nur bei stabiler Lage
Die OPEC selbst wird dadurch unter Druck kommen, denn die VAE sind nicht das einzige Land, das mit den Quoten unzufrieden ist. Auch der Irak und Kasachstan haben in den letzten Jahren immer wieder deutlich gegen die Produktionsvorgaben verstoßen und ihren Unmut mit den restriktiven Einschränkungen kundgetan.

 

Um weitere Austritte und interne Querelen zu vermeiden, könnte sich die OPEC+ gezwungen sehen, die Produktionsstrategie weniger restriktiv zu gestallten und die Ölfördermengen innerhalb der Gruppe weiter zu steigern. So lange jedoch der Exportstau im Persischen Golf bestehen bleibt, ist das alles Zukunftsmusik, denn aktuell bleiben die Fördermengen der OPEC ohnehin stark gedrosselt – egal, wie die Förderquoten aussehen.