Ölmärkte atmen nach Kursrallye durch – Heizölpreise mit deutlichen Abschlägen 

November 3, 2023

Der Mittwoch beginnt mit moderaten Rückgängen der Preise an den Rohölbörsen, während die Kurse bei den Ölprodukten gestern Abend moderat anstiegen. Rohöl findet derzeit darin etwas Ruhe, dass die Straße von Hormus weiterhin grundsätzlich offen ist und immer mehr Schiffe mit bereits verladenem Öl aus dem Nahen Osten wieder auf den Weltmarkt kommen. Derweil stellte Russland ein vollständiges Exportverbot von Diesel in den Raum und warnte vor allgemeinen Schwierigkeiten in der Kraftstoffversorgung, was die russischen Handelspartner unter Druck setzte.

Schifffahrt im Nahen Osten wird offener und optimistischer
Nachdem es in den vergangenen Monaten anhaltend Spannungen und Unsicherheiten bei der Befahrung der Seeroute „Straße von Hormus“ nahe des Iran gab, zeigt sich in den letzten Tagen mehr Optimismus bei den Schiffscrews und Reedereien. Während die meisten Durchquerungen der Route durch internationale Schiffe in den letzten Wochen noch mit ausgeschalteten Transpondern geschahen, um sich besser vor möglichen Angriffen des Iran zu schützen, halten die meisten Schiffe ihre Tracker zur Fahrtaufzeichnung und Verfolgung mittlerweile wieder aktiv.

Das stärkt nicht nur die Sicherheit im Schiffsverkehr selbst, da insbesondere große Tanker rechtzeitig von elektronischen Systemen erfasst und bei Bedarf leichter umfahren werden können, sondern deutet auch an, dass die Schiffsmannschaften und Reedereien sich immer weniger vor Angriffen durch den Iran fürchten. Dabei stiegen auch die Rohöltransporte durch die Seeroute wieder deutlich an – laut US-Präsident Donald Trump erreichten diese am Montag 19 Millionen. Barrel pro Tag , seiner Aussage nach der höchste Stand aller Zeiten. Auch wenn der Höchstwert laut Experten vor knapp 4 Jahren bei fast 22 Millionen Barrel pro Tag lag, würde der Anstieg am Montag dennoch über +80% gegenüber Anfang Juni entsprechen.

Russland erwägt Diesel-Exportverbot und kämpft mit Treibstoffversorgung
Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland besteht seit mittlerweile mehr als 4 Jahren. Neben regelmäßigen zivilen Opfern auf beiden Seiten, fokusiert sich die Ukraine insbesondere auf Angriffe auf die russische Öl- und Ölproduktindustrie, wobei mehrfach Pipelines, Ölpumpstationen und Raffinerien getroffen wurden. Das sorgte besonders in den letzten Monaten für teils scharfe Versorgungseinbrüche bei Kraftstoffen für die russische Bevölkerung, und wiederholten, meist aber kleineren Exportsperren einiger Ölprodukte.

Gestern kündigte der russische Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak jedoch an, man ziehe ein vollständiges Diesel-Exportverbot in Betracht. Insider berichten davon, dass auch Treibstoffimporte nach Russland in Frage kämen, in Ausmaßen die schon seit der Jahrtausendwende nicht mehr für Russland in Frage kamen. Indirekt bedeutet das auch, dass die Treibstoffexporte Russlands weiter stark eingeschränkt bleiben, was besonders die Kunden russischer Ware unter Druck setzt und das Angebot am Weltmarkt reduziert. Entsprechend gab es trotz sinkender Rohölpreise eine Aufwärtsreaktion an den Ölbörsen für Zwischenprodukte der Rohölraffinierung, was sich auch auf den Heizölpreis auswirkt.

Moderate Preisanstiege bei Heizöl am Mittwoch 
Während die Ölmärkte langsam wieder besser bestückt werden, rechnen die Heizölmärkte mit leichten Einschränkungen und Umschichtungen am Markt, insbesondere in Deutschland, bis die Lage sich wieder weiter normalisiert. Entsprechend müssen Abnehmer von Heizöl heute mit moderaten Preisanstiegen rechnen. Diese werden aktuell mit rund +1,95 bis +2,55 Euro pro 100 Liter gegenüber Dienstagvormittag eingeschätzt.