Nachfragesorgen überlagern Spannungen im Nahen Osten – Heizölpreise kaum verändert

November 3, 2023

Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent kostete zum Settlementzeitpunkt an den Ölbörsen am gestrigen Dienstag wieder über 95 Dollar pro Barrel. Im Zuge des neuerlichen Preisanstiegs von heute Morgen hat mittlerweile auch der US-Rohölkontrakt WTI diese psychologisch wichtige Preismarke wieder überschritten. Preistreibend bleibt weiterhin die Unsicherheit im Hinblick auf die Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Zudem meldete das API Dienstagnacht einen Rückgang der amerikanischen Rohöl- und Destillatvorräte.

 

Angriffe im Persischen Golf nehmen wieder zu 
Während weiterhin unklar ist, ob Washington und Teheran derzeit noch Gespräche über ein Friedensabkommen führen, nehmen die Angriffe in der Region um den Persischen Golf wieder zu. So feuerte der Iran nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) zwei Raketen in Richtung Kuwait ab. Diese hätten ihr Ziel jedoch entweder verfehlt oder seien vor Erreichen auseinandergebrochen.

 

Drei weitere Raketen seien auf Bahrain abgefeuert und von US-amerikanischen sowie bahrainischen Luftabwehrsystemen abgefangen worden. Darüber hinaus erklärte das US-Militär, drei Drohnen abgeschossen zu haben, die auf zivile Schiffe in der Meerenge gerichtet gewesen seien. Davon abgesehen wurden offenbar Angriffe auf die iranische Insel Qeschm durchgeführt.

 

Normalisierung in der Straße von Hormus nicht in Sicht
Nach einer baldigen Normalisierung des internationalen Schiffsverkehrs über die Straße von Hormus sieht es aktuell also nicht aus. Der Leiter des Bereichs Geopolitische Analyse beim Beratungsunternehmen Rystad Energy, Jorge León, hält es daher durchaus für möglich, dass der Rohölpreis in einem Monat bei etwa 120 Dollar pro Barrel liegt. Sollte der Nahostkonflikt wieder stärker eskalieren, könnte ein Barrel Rohöl im August sogar bis zu 180 Dollar kosten, so der Experte.

 

Rohöl- und Destillatbestände der USA laut API weiter gesunken
In den vergangenen Wochen wirkte sich der Nahostkonflikt auch zunehmend auf die Versorgungslage in den USA aus, was unter anderem die wöchentlichen Ölbestandsdaten zeigten. Für die Woche zum 29. Mai geht das American Petroleum Institute in seinen Dienstagnacht veröffentlichten Schätzungen von einem erneuten Rückgang der landesweiten Rohöl- und Destillatvorräte aus.

 

Sollte das US-Energieministeriums (DOE) dies in seinem offiziellen Bericht heute Nachmittag bestätigen, wäre dies der fünfte Rückgang der Rohölbestände auf Wochensicht in Folge. Bei den Destillatbeständen würde sich unterdessen das Langzeittief, das in der vorangegangenen Berichtswoche verzeichnet worden war, noch verschärfen. Der saisonal eigentlich eher untypische deutliche Bestandsrückgang bei den Destillaten ist nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass die USA angesichts der ausfallenden Lieferungen, die aus den Ländern am Persischen Golf sonst über die Straße von Hormus auf den Markt kamen, zuletzt die eigenen Exporte gesteigert haben.

 

Heizöl etwas teurer erwartet
Die Aussicht auf einen weiteren Rückgang der US-Bestände an Rohöl und Destillaten sowie die erneute Zunahme der Angriffe in der Golfregion gaben den Ölpreisen an den Börsen zuletzt wieder Auftrieb. Dies dürfte sich auch auf die Inlandspreise auswirken. So ist heute bei den Heizölpreise mit Aufschlägen von +4,50 bis +5,50 Euro pro 100 Liter gegenüber Dienstagvormittag zu rechnen.