Nachfragesorgen setzen Ölpreise unter Druck – Heizöl deutlich günstiger

November 3, 2023

Die Angebotssorgen am Ölmarkt nehmen weiter zu, was vor allem an den geopolitischen Konflikten im Nahen Osten und der Ukraine liegt. Aber auch die Hurrikan-Saison über dem Atlantik, die zuletzt den Tropensturm Bertha hervorgebracht hat, trägt dazu bei, da Berthas Kurs den Prognosen zufolge direkt über den Ölanlagen im Golf von Mexiko und an der US-Golfküste verlaufen dürfte. Damit könnte der Tropensturm die Erholung der US-Ölbestände, die sich in den vergangenen beiden Wochen ergeben hatte, wieder in Gefahr bringen.

 

US-Ölbestände legten vergangene Woche erneut zu
Nachdem die Gesamtölreserven der USA (Rohöl und sämtliche Produkte) in der Woche zum 3. Juli noch auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gesunken waren, zeigten sie in den vergangenen beiden Wochen wieder Anzeichen einer Erholung. Während die landesweiten Rohölvorräte in der Woche zum 17. Juli laut dem gestern veröffentlichten Wochenbericht des US-Energieministeriums (DOE) ebenfalls zunahmen, bleibt die Bestandssituation im US-Zentrallager in Cushing (Oklahoma) jedoch kritisch, was einen Rückgang des US-Rohölpreises nach Erscheinen der Daten gestern verhinderte.

 

Die US-Rohölproduktion ging unterdessen vergangene Woche leicht zurück, nachdem sie in der Vorwoche noch im Bereich des Allzeithochs von 13,9 Mio. B/T, das sie bislang in der Wochenstatistik des DOE verzeichnet hat. Sollte nun Bertha nur langsam über die Ölanlagen im Golf von Mexiko hinwegziehen, könnte dies dazu führen, dass der Produktionsbetrieb stärker beeinträchtigt wird – und damit auch die Fördermengen. Aber auch beim Raffineriesektor entlang der US-Golfküste wären in diesem Falle mit stärkeren Einschnitten zu rechnen. So könnten Überschwemmungen und/oder Stromausfälle den Betrieb der Raffinerien behindern oder gar vollständig lahmlegen, was wiederum die Verfügbarkeit an Produkten dezimieren könnte.

 

Geopolitische Konflikte treiben Ölpreise weiterhin nach oben
Derweil bleiben die geopolitischen Konflikte ein Preistreiber an den Ölbörsen, zumal sich statt einer Deeskalation eher eine weitere Verschärfung der Lage abzeichnet. So drohte US-Präsident Trump dem Iran beispielsweise am gestrigen Mittwoch, dass die USA für jedes Schiff, das in der Straße von Hormus von iranischer Seite angegriffen werde, eine Brücke oder ein Stromkraftwerk im Iran zerstören würden. Teheran drohte wenig überraschend mit entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen, sollte es soweit kommen.

 

In der Straße von Bab el-Mandeb, die das Rote Meer vom Golf von Aden trennt, haben die Huthi-Miliz mittlerweile mit der Seeblockade Saudi-Arabiens begonnen und erste Tanker angegriffen. Damit wird nun auch die Schifffahrt auf einer wichtigen Alternativroute zur Straße von Hormus zu einem Risiko, das vor allem das Ölangebot Saudi-Arabiens zusätzlich beeinträchtigen dürfte.

 

Heizölpreise ziehen weiter an
An den Ölbörsen zogen die Kontrakte heute Morgen daher erneut an.  Während der Nordsee-Rohölkontrakt Brent zeitweise schon wieder die 100 Dollar-Marke ins Visier nahm, verringerte Gasoil den Abstand zum Hoch vom 6. Mai. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher der Bundesrepublik bedeutet dies, dass sie ebenfalls mit einem Preisanstieg rechnen müssen. So ist bei Heizöl mit Aufschlägen von +0,65 bis +1,25 Euro pro 100 Liter  gegenüber Mittwochvormittag zu erwarten. Da die Preisentwicklungen aktuell jedoch sehr empfindlich sind und teils erhebliche Anstiege und Rückgänge erleben, sind die genannten Zahlen nur Richtwerte und können sich jederzeit ändern.