Huthi-Miliz und Piraten belasten zunehmend Öltransporte – Heizölpreis kaum verändert

November 3, 2023

Die aktuelle Unsicherheit der Anleger an den Ölmärkten wurde zum Start in den Mittwoch mal wieder deutlich. Nachdem der US-Präsident im Verlauf des gestrigen Nachmittags eine Reihe Meldungen und Andeutungen machte, dass die USA doch stärker und vor allem schneller bei venezolanischem Öl zugreifen will, sorgte das über den Abend hinweg für einen spürbaren Preisrutsch an den internationalen Rohölmärkten und Börsen.

USA drängen auf Kontrolle der venezolanischen Ölindustrie
Kurz nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten am vergangenen Wochenende wurde schnell klar, dass der US-Präsident einen sehr begierigen Blick auf die Ölreserven Venezuelas wirft. Eigenen Aussagen zufolge soll Präsident Trump bereits vor dem Angriff in Venezuela mit einigen US-Ölkonzernen gesprochen und Pläne angedeutet haben. Auch über die kommenden Wochen hinweg stehen weitere Gespräche mit Vertretern der nordamerikanischen Ölindustrie an, um Investitionen und Erweiterungen der venezolanischen Ölproduktion zu besprechen.

Parallel dazu forderte der Präsident der Vereinigten Staaten die Regierung in Venezuela dazu auf, ihre Handelsbeziehungen und insbesondere Partnerschaften in der Ölindustrie mit China, Russland, dem Iran und Kuba zu reduzieren, vielleicht sogar komplett zu unterbrechen. Der US-Präsident betont zwar immer wieder, keine militärische Kontrolle über Venezuela anzustreben, man will dennoch eine führende Rolle in der Gestaltung der Zukunft des Landes übernehmen – finanziert vor allem durch Öleinnahmen aus venezolanischen Ressourcen.

Öl-Offensive der USA setzt den internationalen Markt unter Druck
Gestern Abend drängte der US-Präsident dann darauf, dass Venezuela in den nächsten Wochen bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl an die USA abtreten soll, wo das Öl dann verkauft und die Einnahmen unter der Kontrolle von Präsident Trump zum Wohl beider Länder genutzt werden sollen. Diese Ankündigung sorgte für einen erheblichen Preisrutsch an den weltweiten Ölbörsen, da die bereits drohende Überversorgung der Märkte damit, wenn auch nur zeitweise, verschärft werden könnte.

Auch aus Kanada kamen Sorgen auf. Das Land exportiert jedes Jahr knapp 80% des produzierten Rohöls in die USA und fürchtet, aufgrund längerer Transportwege als Venezuela, auf einigen Exportrouten zu den Vereinigten Staaten nicht länger Konkurrenzfähig bleiben zu können. Deshalb sollen neue Pipelines nach Westkanada schneller gefördert und gebaut werden, um mögliche Exporte nach Asien, insbesondere China, rechtzeitig auszubauen. Noch sind diese Pläne jedoch reine Theorie, da die dazu notwendigen Freigaben noch fehlen.

Heizöl erheblich günstiger
Was an den Ölbörsen für erhebliche Sorgen vor einer noch stärkeren Überversorgung der Märkte sorgt, bringt den Abnehmerinnen und Abnehmern von Öl und Ölprodukten günstigere Preise. Dementsprechend werden heute für Heizöl im Bundesgebiet, im Vergleich zu Dienstagvormittag, satte Preisabschläge von durchschnittlich -1,60 bis -2,00 Euro pro 100 Liter erwartet.