
Die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ließ die Rohölpreise an den Börsen dies- und jenseits des Atlantiks am frühen Mittwochmorgen weiter steigen, nachdem der Preis des europäischen Rohölkontrakts Brent gestern erstmals seit Ende Juli wieder kurzzeitig über 95 Dollar pro Barrel geklettert war. Unterdessen deuten Schätzungen zur Entwicklung der US-Ölbestände auf einen weiteren Rückgang der landesweiten Rohöl- und Destillatvorräte in der letzten August-Woche hin.
US-Streitkräfte führen wieder umfangreichere Militärschläge gegen Iran durch
Bereits am Wochenende hatten US-Streitkräfte erstmals seit Ende Juli wieder iranische Militärziele angegriffen, was Teheran umgehend mit Vergeltungsschlägen beantwortete. Hatte das Zentralkommando der US-Streitkräfte (CENTCOM) die Angriffe vom Wochenende noch als „begrenzte, präzise Aktion“ bezeichnet, hieß es in einer Pressemitteilung auf der CENTCOM-Homepage gestern, die US-Streitkräfte hätten am gestrigen Dienstag eine „Welle von Angriffen auf iranische Militärziele erfolgreich abgeschlossen“.
Diese Angriffswelle folgte „auf die jüngsten Angriffsversuche der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus und auf amerikanische Soldaten“, hieß es in der Pressemitteilung. In den letzten Tagen waren wieder zunehmend Angriffe auf Handelsschiffe in der wichtigen Meerenge gemeldet worden, darunter auch auf zwei große Öltanker (VLCCs), die mit saudischem Rohöl beladen gewesen sein sollen. Dabei ging man davon aus, dass der Iran die Schiffe beschoss.
Die jüngsten Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran weckten erneut die Befürchtung, dass die Schifffahrt in der Straße von Hormus, über die vor Beginn des Krieges täglich rund 21 Mio. Barrel Öl transportiert wurden, doch länger beeinträchtigt bleiben wird als erhofft. Auch wenn immer wieder Tanker durch die Meerenge gelangen, bleiben die Ölmengen, die über diese Route auf den Weltmarkt gelangen, immer noch stark reduziert.
US-Destillatbestände erneut niedriger erwartet
Unterdessen geht das American Petroleum Institute (API) davon aus, dass die landesweiten Rohölvorräte in den USA in der vergangenen Woche abgenommen haben. Auch bei den Destillatvorräten rechnet der größte Interessenverband der US-Ölindustrie mit einem leichten Rückgang (-0,3 Mio. Barrel), wodurch sich die im saisonalen Vergleich ohnehin extrem angespannte Versorgungslage in dieser Produktkategorie weiter verschärft hätte.
Die Analysten rechnen im Schnitt sogar noch mit stärkeren Bestandsabbauten bei den Destillaten (-1,9 Mio. Barrel). Sollte das US-Energieministerium heute um 16:30 Uhr den erwarteten Rückgang der Destillatvorräte bestätigen, dürfte dies die Preise der Produktkontrakte an den Ölbörsen (also auch Gasoil) weiter steigen lassen, was sich wiederum auf die Inlandspreise auswirken würde.
Inlandspreise legen weiter zu
Die jüngste Eskalation im US-iranischen Konflikt sowie die weiterhin angespannte Versorgungslage am weltweiten Kraftstoffmarkt sorgen bei den Inlandspreisen heute Morgen erneut für Aufwärtspotenzial. So müssen Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet heute mit Aufschlägen von bis zu +7,35 bis +8,35 Euro pro 100 Liter im Vergleich zu gestern Morgen rechnen.