Geopolitische Risiken überlagern Zollsorgen – Heizölpreis teurer

November 3, 2023

Zum Wochenbeginn legten die Rohölpreise an den Ölbörsen dies- und jenseits des Atlantiks erneut zu und erreichten im Zuge dessen neue Mehrmonatshochs. Die geopolitischen Risiken überlagerten im Zusammenspiel mit dem Wetter in Teilen der USA, das ebenfalls preisstützend wirkte, die Sorge, dass das US-Zollchaos Konjunktur und Ölnachfrage dämpfen könnte.

Nächste Gespräche zwischen Iran und USA am Donnerstag erwartet
Die Meldung, dass die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran am Donnerstag dieser Woche in Genf fortgesetzt werden sollen, hätte unter anderen Umständen vermutlich eher für einen Rückgang der Ölpreise an den Börsen gesorgt. Angesichts der Tatsache, dass Washington seine Streitkräfte im Nahen Osten zuletzt zunehmend aufgestockt hat und nun auch nicht zwingend benötigtes Personal aus der Region (beispielsweise aus der Botschaft in Beirut) abzieht, ist für viele Marktteilnehmer allerdings ein Zeichen, dass die USA kurzfristig doch noch einen Militärschlag gegen den Iran durchführen könnten.

Risiko eines US-Militärschlags gegen Iran wird an Ölbörsen weiterhin eingepreist
So bleibt der Aufschlag, den die Trader an den Ölbörsen aufgrund der geopolitischen Risiken einpreisen, weiterhin bestehen und verhindert einen Rückgang der Rohölpreise. Besonders eine Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran als Vergeltungsmaßnahme für einen US-Angriff könnte im internationalen Ölhandel zu Verwerfungen führen, immerhin durchfahren die Meerenge täglich Tanker, die mit Ölmengen von insgesamt etwa 21 Million Barrel beladen sind.

US-Zollchaos geht weiter
Den gestrigen Preisanstieg gedämpft hat die Unsicherheit im Hinblick auf die US-Zollpolitik, die mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA von Freitag wieder zurückgekehrt war. Der Supreme Court urteilte, dass US-Präsident Trump mit den im Frühjahr 2025 verhängten Strafzöllen seine Kompetenzen überschritten habe, was auch Verunsicherung im Hinblick auf die seither von den USA ausgehandelten Zoll- bzw. Handelsabkommen hervorrief.

Bereits am Wochenende verhängte Trump neue Zölle in Höhe von letztlich 15 Prozent, was besonders bei den Handelspartnern auf Kritik stieß, mit denen bereits Abkommen vereinbart worden waren. So will beispielsweise die EU die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den USA vorerst auf Eis legen.  Im Allgemeinen weckt die erneute Unsicherheit hinsichtlich der US-Zölle nun wieder die Befürchtungen, dass die weltweite Konjunktur und somit auch die Ölnachfrage durch neue Handelsstreits in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Inlandspreise ebenfalls teurer
Die Sorge, dass es doch noch zu einem US-Militärschlag gegen den Iran kommen könnte, der möglicherweise Angebotsausfälle nach sich zieht, wog an den Ölbörsen zum Wochenbeginn schwerer als die neuen Unsicherheiten bezüglich der US-Zölle, sodass die Preise stiegen. Dies wirkte sich auch auf die Inlandspreise aus, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher bei Heizöl aktuell im bundesweiten Durchschnitt mit Aufschlägen in Höhe von +0,50 bis +0,90 Euro pro 100 Liter im Vergleich zu Montagvormittag rechnen müssen.