Starker Lagerabbau bei US-Rohölvorräten – Heizölpreise geben etwas nach

November 3, 2023

Der Ölmarkt reagiert weiterhin empfindlich auf geopolitische Schlagzeilen. Dies wurde gestern deutlich, als es plötzlich hieß, die Gespräche zwischen den USA und Iran seien abgesagt. Die Ölpreise schnellten in die Höhe, erholten sich danach aber auch wieder recht schnell. Das Treffen findet statt, doch die sprichwörtliche Kuh ist damit längst noch nicht vom Eis.

 

Teheran widerspricht: Treffen in Oman findet statt
Die über die US-Nachrichtenplattform Axios verbreitete Meldung, dass die geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran abgesagt worden seien, hatte die börsengehanldeten Rohölpreise am Mittwochabend in die Höhe getrieben. Aus informierten Kreisen habe es laut Axios geheißen, dass sich die beiden Parteien nicht auf eine Agenda hätten einigen können.

 

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi stellte jedoch mittels einer Nachricht auf seinem Profil beim Kurzmeldungsdienst X wenig später klar, dass die Gespräche stattfinden würden.“Die Atomgespräche mit den Vereinigten Staaten sollen am Freitag gegen 10:00 Uhr in Maskat [der Hauptstadt des Oman] stattfinden. Ich bin unseren omanischen Brüdern dankbar, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen haben“, schrieb Araghtschi.

 

Streit um die Agenda könnte Probleme machen
Die Agenda für die Verhandlungen scheint allerdings tatsächlich noch nicht wirklich ausgearbeitet zu sein, denn US-Außenminister Marco Rubio betonte am gestrigen Mittwoch noch einmal, dass die Verhandlungen auch das Raketenprogramm Irans beinhalten müssten, sowie die Unterstützung Teherans für bewaffnete Milizen in der Region und – ganz am Rande – den Umgang des Regimes mit dem iranischen Volk.

 

Dabei soll gerade die Begrenzung der Gespräche auf das Thema Atomprogramm der Grund dafür gewesen sein, dass Teheran diese nicht in der Türkei (wie ursprünglich angedacht), sondern im Oman führen will. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die beiden Seiten bis Freitag noch auf eine Agenda einigen können, oder ob die Uneinigkeit darüber doch wieder zu einer Verschärfung der Spannungen oder gar einer Absage der Verhandlungen führen wird.

 

Skepsis unter Marktbeobachtern – Militärische Eskalation bleibt Preistreiber
Unter Marktbeobachtern ist man ohnehin nicht sehr optimistisch, was die Ergebnisse der Verhandlungen angeht. Ölmarktanalyst Mukesh Sahdev von XAnalysts, einem Beratungsunternehmen für den Energiesektor, fürchtet sogar: „Es ist wahrscheinlich, dass diese Gespräche neue Differenzen zutage fördern und die Risikoprämie bald wieder steigen wird.“

 

Davon abgesehen trägt auch US-Präsident Donald Trump, der auf Fragen von Journalisten gerne mal mit mehr oder weniger vagen Drohungen gegenüber dem Iran antwortet, dazu bei, dass man am Markt die Risikoprämie für einen US-Militärschlag gegen die Islamische Republik nicht ganz auspreisen will. Schließlich könnte ein solcher Militärschlag Teheran dazu veranlassen, die Straße von Hormus und damit ein wichtiges Nadelöhr für den internationalen Ölhandel zu blockieren.

 

Inlandspreise wenig verändert
Trotz des kurzfristigen Preisanstieges von gestern Abend bleiben die Heizölpreise im Inland im Vergleich zu gestern Vormittag fast unverändert. Je nach Region müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit Preisunterschieden von -0,30 bis +0,10 Euro/100l rechnen